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23.11.2018

Gute-Form-Sieger bei Jahresabschlussfeier ausgezeichnet


Obermeister Reinhard Siegert (links) und Ehrenkreishandwerksmeister Hanno Dietrich (rechts) mit den Geehrten: Sandro Schwarz, Martin Willibald Siegert, Sebastian Schwarz und Thomas Erbs.

ALFERSHAUSEN (ley) – Die Digitalisierung, die gute Konjunktur und nicht zuletzt die beachtlichen Leistungen des Berufsnachwuchses standen im Mittelpunkt der Ausführungen bei der Jahresabschlussfeier der Mittelfranken-Süd. Obermeister Reinhard Siegert und Ehrenkreishandwerksmeister Hanno Dietrich verkniffen es sich im Alfershausener Gasthaus „Winkler“ aber nicht, Kritik an Worten aus der Handwerkskammer Nürnberg für Mittelfranken anzubringen.

 

„Die Konjunktur läuft – jeder hat Arbeit“, zeigte sich Siegert zu Beginn recht zufrieden. Es sei aber auch nicht so, dass die Betriebe Monate im Voraus ausgebucht seien. Oft könnten Aufträge noch kurzfristig untergebracht werden. Dass seitens der Kammer von „Sektlaune“ gesprochen werde, sei falsch dargestellt. Richtig sei aber: „Wir freuen uns über jeden Auftrag und auch darüber, mehr arbeiten zu dürfen.“ Den Faden nahm auch Dietrich in seinem Grußwort auf. Die besagte Wortwahl „ist daneben“ und vermittle dem Kunden ein falsches Bild. Denn nach wie vor sei es oft nicht einfach „,den Betrieb übers Jahr zu bringen“, zumal nach wie vor „reelle Preise“ verlangt würden. Der lang anhaltende Aufschwung aber habe indes sehr wohl dafür gesorgt, dass die Schreinerfirmen gut mit Lehrlingen versorgt seien, führte Siegert weiter aus. Derzeit gäbe es 85 im Einzugsbereich der Innung (Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen und Roth, Stadt Schwabach). Seine Branche erfreue sich dabei besonderer Beliebtheit. In der Bevölkerung habe sich bei der Berufswahl die Ansicht durchgesetzt: „Wenn Handwerk – dann Schreiner!“ Auch bei den Freisprechungen der neuen Meister sei die Zahl der Schreiner in der Regel die größte. Die Maler könnten in Sachen Azubis auch nicht klagen, fügte er in Anspielung auf Dietrichs beruflichem Zuhause an. Probleme aber habe leider das Lebensmittelhandwerk. Differenziert setzte sich Siegert in Alfershausen mit dem Thema Digitalisierung auseinander. Dass man sie brauche, sei unbestritten. Zentrale Bedeutung komme dabei der CNC-Anbindung ans Büro zu. Er frage sich aber, ob wirklich jeder Kleinbetrieb entsprechend ausgerüstet sein müsse oder ob hier nicht Kooperationen sinnvoller sein. Hier gelte es im Einzelfall abzuwägen. Generell sei die Zeit für Investitionen in diesem Bereich günstig – es lockten Förderungen bis zu 50 Prozent, sowohl bei der digitalen Ertüchtigung von Maschinen wie auch von Gebäuden. Sehr hilfreich erweise sich diese Art elektronischer Hilfestellung für Beschäftigte mit Handicap, wo sie einen „echten Nutzen“ darstelle. Für nähere Infos solle man sich an die Unternehmerfabrik oder ans Landratsamt wenden. Sehr angetan zeigte sich Siegert bei seinem Rückblick vom betrieblichen Ersthelferkurs, der auch heuer wieder stattfinden sollte. Falls es dazu zu wenig Teilnehmer gebe, sei eine branchenübergreifende Durchführung vorstellbar. Lackierkurs, Ausstellungen der Gesellenstücke, Freisprechungen oder Berufsparcours' seien weitere Höhepunkte im Innungsjahr der „Schreinerfamilie“ gewesen. Allerdings sei er beim „Tag des Schreiners“ als Teilnehmer eher allein auf weiter Flur gewesen – bei sehr gutem Besuch. Indirektes Lob gab es für Siegert von Dietrich, als dieser vom guten Gelingen der Postenbesetzung des neuen Vorstandes der Kreishandwerkerschaft sprach, der der Schreinermeister als stellvertretender Kreishandwerksmeister angehört. „Ohne Handwerk“, so Dietrich in seinem Grußwort, „würde in Deutschland nichts laufen“. Es sei ein Garant für eine gute Lebensqualität. Auf der Suche nach Nachwuchs empfahl er den Führungskräften den Besuch eines Berufsparours: „Hier finden Sie die neuen Fachkräfte“, der erste Schritt könne das Angebot eines Betriebspraktikums sein. Dieses Stadium längst hinter sich gelassen haben diejenigen, die am Abend geehrt wurden. Jeweils als Prüfungsbester und Staatspreisträger galt es dabei (den leider verhinderten) Jakob Möhl (Treuchtlingen, Lehrbetrieb Werner Knorr in Weibolsdhausen) sowie Sebastian Schwarz (Georgensgmünd, Sandro Schwarz in Rittersbach) zu würdigen. Er durfte zudem eine Ehrung für den zweiten Platz beim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks auf Kammerebene entgegennehmen. Doch dem noch nicht genug: Eine Auszeichnung gab es für den Ex-Azubi auch für den dritten Platz beim Wettbewerb „Die gute Form 2018“. Den Sieg trug hier Niklas Müller (Thalmässing, Wurm GmbH & Co KG Lin iebenstadt) davon. Rang zwei gab es für Martin Willibald Siegert (Rudletzholz, Reinhard Siegert in Rudletzholz). Die Silberne Ehrennadel für langjährige Tätigkeit im Prüfungsausschuss gab es zudem für Thomas Erbs (Rittersbach). Zum Gruppenfoto postierten die Geehrten dann gerne umrahmt von den Werken, die zur Gesellen- (Beistelltisch) sowie zur Zwischenprüfung (Schminktisch) hergestellt worden waren. Viele von ihnen wurden im Laufe des Abends verlost. Insgesamt galt es 150 Preise zu verteilen, der Erlös fließt in die Nachwuchsarbeit der Innung. Es brauche eine starke Innungsarbeit, so waren sich Dietrich und Siegert einig, um die Interessen der Branche auf übergeordneter Ebene auch durchzusetzen. So wie dies etwa bei der anvisierten neuerlichen Änderung der Handwerksordnung gelungen sei. Das Innungsmitglied selbst habe von seiner Mitgliedschaft „wesentlich mehr Nutzen als der Beitrag Kosten verursacht“. Neben umfassender Beratung auch der Kontakt zur Industrie und damit dem „Puls der Zeit“.