06.07.2022

Spitzenqualität schlägt Seriennummer

Gesellenstücke angehender Schreiner in der Rother Berufsschule ausgestellt – Ausbildung wohl bald noch attraktiver

ROTH (ley) – Die eigene Kreativität und Geschicklichkeit lassen sich im Handwerk bestens ausleben. Das gilt nicht nur, aber vor allem für den Beruf des Schreiners. Überzeugen konnten sich davon nun zahlreiche Besucher einer Ausstellung in der Berufsschule Roth, bei der die in Kürze frei gesprochenen Junggehilfen ihre Gesellenstücke präsentierten. Von ihnen begeistert zeigte sich dabei unter anderem die Schulleiterin Undine Landvoigt.

Dabei ließ sie den Dichter Heinz Kahlau zu Wort kommen, dessen Tod sich heuer zum zehnten Mal jährt: „Du musst schon, wenn du jemand sein willst, der keine Seriennummer drauf hat, was Eigenes bieten. Du musst schon, wenn du jemand sein willst, der nicht nur macht, was andere machen, was Neues wollen.“ Genau das hätten die Gesellen in spe sehr gut beherzigt. Eine solche Nummer suche man freilich bei den 18 Exponaten vergebens, so die Schulchefin: „Sie sind besonders und einzigartig! So wie sie hier dastehen, gab es sie noch nicht!“ Ob neu oder neu interpretiert in Form- und Materialauswahl. Auch Roths dritter Bürgermeister Karl Schnitzlein war voll des Lobes für die Ausstellungsstücke und jene, die sie hergestellt hatten. Die große Resonanz auf die Veranstaltung zeige auch die Wertschätzung in der Bevölkerung. Die Qualität weiß beim Rundgang auch der Heidecker Reinhard Siegert sehr zu schätzen, seines Zeichens Obermeister der Schreiner-Innung Mittelfranken-Süd. So steuert er auf eine besonders schicke Kommode aus Eiche mit Schieferfronten zu. Die Einzelteile sind hier versetzt angebracht, was für einen echten Blickfang sorgt. Direkt nebenan demonstriert Fabian Lechner aus Georgensgmünd einen schmucken Wand-Organizer. Mit integrierter Uhr und Tafel für schnelle Notizen. Für eine „Gute Zeit“, wie darauf schon zu lesen ist. Das Teil „kommt bei uns ins Wohnzimmer“, kündigt er schon mal an. Ein Medienschrank mit einer Kombination aus Ahorn, amerikanischem Nussbaum und Glas fasziniert nicht weniger. Aus seiner Vorliebe für die Queen auf der einen und guten Whisky auf der anderen Seite macht ein weiterer Aussteller keinen Hehl. Beides findet sich in seinem Gesellenstück präsentiert. Mit dieser Werbung für das Schreinerhandwerk im Rücken nahm sich Siegert die Freiheit für einige Anregungen. So wäre es wünschenswert, wenn wie schon geplant der entsprechende Bereich in der Berufsschule vergrößert werden könnte. „Die Räumlichkeiten sind eigentlich zu eng – der Berufsnachwuchs braucht da einfach mehr Platz“, so der Obermeister. Die Ausstattung mit einer neuen CNC-Maschine sei auch anzuraten. Beim stellvertretenden Landrat Walter Schnell als Vertreter des Sachaufwandsträger rannte Siegert damit offene Türen ein. Der Landkreis wolle die Schreinerausbildung „auf höchstem Niveau“ halten, sicherte der Landratsvize die Bereitschaft sowie die Unterstützung bei den entsprechenden Investitionen zu. Man sei zwar schon gut ausgestattet, dürfe dabei aber nicht stehen bleiben. „Die Planungen für eine Erweiterung und Modernisierung des Holzbereiches laufen bereits“, erklärte Siegert: „Wir wünschen uns eine integrierte Ausbildung: In der Werkstatt soll die Praxis eingeübt werden, unmittelbar daneben sollte sich das Klassenzimmer für den theoretischen Bereich befinden.“ Verbesserungen stehen aber nicht nur vor Ort in Aussicht, sondern bayernweit. Denn die Meisterausbildung könnte in Bayern demnächst kostenlos werden, wie es in den Worten des Obermeisters durchklang: „Der Durchbruch scheint geschafft!“ Jahrzehnte lange habe man von Handwerksseite bemängelt, dass die akademische im Gegensatz zur beruflichen Ausbildung vom Staat finanziell besser gefördert werde. Eine Gleichstellung sei hier längst überfällig. Nun könnte sie bald Wirklichkeit werden: „Das Licht am Ende des Tunnels ist schon zu sehen!“ Dem Schreinerberuf an sich aber wohne bereits eine hohe Attraktivität inne: „Die Möglichkeiten der Entfaltung sind hier schier grenzenlos“, unterstrich Siegert. Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt seien sehr gut und auch technisch bewege sich die Branche hierzulande auf einem sehr hohen Niveau. „Langeweile kommt bei uns garantiert nicht auf - und man darf gerne auch mal ins Schwitzen kommen, das gehört einfach dazu.“